Gelesen: Das Wunder von Emma Donoghue

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Mitte des 19. Jahrhunderts erhält die englische Pflegerin und Krankenschwester Lib, ehemalige Schülerin von Florence Nightingale, einen ungewöhnlichen Auftrag: Sie soll nach Irland reisen und dort überprüfen, ob das Mädchen Anna wirklich seit Monaten überlebt ohne auch nur einen Bissen zu sich zu nehmen. Lib soll sich bei der Überwachung des gläubigen Mädchens mit einer Nonne abwechseln und die beiden sollen unabhängig voneinander feststellen, ob es sich um ein Wunder oder einen Schwindel handelt. Lib, die mit den gläubigen Iren und der rauen Landschaft nur wenig anfangen kann, ist von Anfang an davon überzeugt, dass Anna heimlich Nahrung zu sich nimmt. Sie setzt sich den Vorsatz die Schwindelei auffliegen zu lassen. Sie hatte aber nicht damit gerechnet, während ihrer Zeit an Annas Seite das Mädchen liebzugewinnen. Als Annas Zustand sich zu verschlechtern beginnt, beginnt ein Wettlauf gegen die Zeit. Wird es Lib gelingen das Mädchen zum Essen zu bewegen? Oder ist hier wirklich eine Macht im Spiel, die über alles hinausgeht, was Lib zu glauben gewillt ist?

Emma Donoghues Roman Das Wunder ist im Wunderraum Verlag erschienen und ich bin ganz verliebt in diese hochwertige Buchedition. Dank Leinenrücken und Lesebändchen macht das Buch einen sehr hochwertigen Eindruck, das minimalistische Cover finde ich zudem sehr ansprechend. Aber nicht nur die äußeren Werte haben mich überzeugt.Die Geschichte um Lib, eine ausgewachsene Skeptikerin und Zynikerin, empfand ich als äußerst originell, die Charaktere als sehr lebendig. Lib ist keine typische Sympathiträgerin aber ich mochte ihre schroffe Art. Das raue irische Land wurde gut beschrieben, vor meinen Augen entstand eine unwirtliche Landschaft bewohnt von armen Menschen, die sich ein Wunder herbeisehnen.

Das Wunder befasst sich mit dem Gegensatz von Wissenschaft und Glauben. Während die Dorfbewohner und Annas Familie äußerst fromm sind und fest daran glauben, dass Gott ein Mädchen ohne Nahrung überleben lassen könnte, ist Lib bestimmt von Fakten und der festen Überzeugung, dass es für alles eine logische Erklärung geben muss. Damit macht sie sich nicht unbedingt Freunde und steht zunächst im krassen Gegensatz zur anderen Pflegerin, der Nonne Schwester Michael. Donoghue spannt uns lange auf die Folter, was die Neugierde beim Lesen weckt. Trotzdem ist das Wunder kein Page Turner sondern kommt mit einem gemäßigten Tempo daher. Dies passt jedoch sehr gut zu der nachdenklichen Stimmung, die die Geschichte auslöst. Glaube, Wissenschaft und Menschlichkeit – Das Wunder wagt sich an große Themen und liefert ein faszinierendes Ergebnis. Sehr lesenswert.

Danke an das Bloggerportal für das Rezensionsexemplar.

8 thoughts on “Gelesen: Das Wunder von Emma Donoghue

  1. Vielen Dank für deine Rezension – die hat mich wieder an dieses Buch denken lassen, das ich irgendwie vergessen habe auf meine Wunschliste zu setzen. Von “Raum” war ich nämlich mehr als beeindruckt, deshalb möchte ich auch das neue Buch der Autorin lesen!

    Viele Grüße, Ramona (#litnetzwerk)

  2. Optisch fein, aber grundlegend eigentlich kein Buch das in mein Leseschema passt. Gott ist kein großes Thema für mich, nicht im klassischen evangelisch-katholischem Sinne und doch hast du mich neugierig gemacht! Glaube und Wissenschaft sind interessante Themen in Dokus und Diskussionen, aber weniger in Büchern – aber diesen Titel behalte ich mal im Hinterkopf (=

    Hab einen mukkeligen Sonntag!

    1. Ich tendiere auch selten dazu Bücher über Glauben und Religion zu lesen, aber dieses war wirklich gut. Ich konnte mich sehr mit Lib identifizieren, denn sie ist sehr rational.

  3. Danke für die Vorstellung! Allein das Cover hat mich schon beeindruckt, sehr schön. Allerdings finde ich die Thematik auch sehr spannend.
    Wandert auf jedenfall auf meine Wunschliste.
    Lieben Gruß
    Isabel

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