Gelesen: Die Mütter von Brit Bennett

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Oceanside in Kalifornien: In dem kleinen Ort gehen die Bürger Sonntags brav in die Kirche. Auch Nadias Vater ist sehr gläubig, weshalb sie ihm nicht von ihrer geplanten Abtreibung erzählen kann. An ihre Mutter kann sie sich auch nicht wenden, denn diese hat vor einer Weile Suizid begangen. Aber wenigstens kann sie sich auf den Sohn des Pastors, ihren Freund Luke verlassen, denn er besorgt ihr das Geld für die Abtreibung. Luke war Nadias erste große Liebe, auch wenn ihre Beziehung wohl in erster Linie begann, weil Nadia nach dem Tod ihrer Mutter Trost und Ablenkung suchte. Nach dem Eingriff lässt Luke sie allerdings sitzen, Nadia steht wieder alleine da. Als der Pastor ihr anbietet als Assistentin seiner Frau den Sommer über etwas Geld zu verdienen, ist Nadia zunächst nicht angetan, doch ihr Vater besteht darauf. Immerhin will die kluge Nadia aufs College und da kann etwas Geld nicht schaden, auch wenn man schlau genug ist für ein Stipendium. Während sie in der Kirche arbeitet lernt Nadia Aubrey kennen. Auf den ersten Blick wirken beide grundverschieden: Nadia, die gutaussehende, schlaue Skeptikerin und Aubrey, das gläubige, liebenswerte Mädchen. Trotzdem entwickelt sich zwischen den beiden eine intensive Freundschaft. Doch dann zeiht Nadia fort um aufs College zu gehen und Aubrey beginnt eine Beziehung mit Luke, dem Sohn des Pastors…

Brit Bennetts Buch Die Mütter zählt zu den Büchern, die mir immer wieder auf Instagram begegnet sind. Umso gespannter war ich, ob das Buch dem Hype gerecht wird. Ja, das tut es. Die Mütter ist ein senibler, vielschichtiger Roman über eine Dreiecksbeziehung. Themen wie Nadias Abtreibung werden mit viel Feingefühl angegangen. Bennett zeigt hier eine eher ungewöhnliche Konstellation: Nadia ist es, die ihr Abtreibung nie wirklich bereut, da sie nicht wie ihre Mutter enden und lieber die Welt sehen will. Ihr Freund Luke hingegen denkt oft darüber nach, wie es gewesen wäre Vater zu sein, kann die Abtreibung nur schwer verarbeiten. Der Suizid von Nadias Mutter wird ebenso feinfühlig aufgearbeitet, wie Aubreys traurige Vergangenheit. Das Thema Religion spielt zudem eine zentrale Rolle, wird aber nie als positiv oder negativ abgestempelt sondern als das gezeigt, was es ist: Trost und Zuflucht für die einen, Einschränkung und Druck für die anderen. Bennets Schreibstil ist flüssig, so mancher Satz ist bei mir hängen geblieben denn sie verpackt traurige Wahrheiten in intensive und treffende Worte. Wenn ich etwas zu kritiseren hätte, dann die titelgebenden Mütter selbst. Diese Gruppe von älteren Frauen, in der Kirchengemeinde Mütter genannt, übernehmen hier und da die Rolle des Erzählers, liefern aber wenig Mehrwert. Weder greifen sie entscheidend in die Geschichte ein, noch bieten sie tiefgründigen Input. So seltsam es auch klingt, Die Mütter hätte auch ohne die Mütter gut funktionieren können.

Alles in allem ist Die Mütter ein schönes Buch, das mich sehr gefesselt und berührt hat, sensibel mit schwierigen Themen umgeht und vielschichtige Charaktere bietet.

Mein Dank geht an den Rowohlt Verlag für die Bereitstellung des Rezensionsexemplars.

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