Gelesen: Die Beste meiner Welten von Elan Mastai

Spread the love

Tom Barren sitzt in der Tinte. Er stammt aus der Welt, in der wir eigentlich leben sollten. Eine Welt der technischen Innovationen, mit fliegenden Autos und personalisierten Unterhaltungsprogrammen. Eine Welt des Wohlstands. Sein Vater war ein berühmter Wissenschaftler, der es sich zur Aufgabe gemacht hatte, das Zeitreisen zu ermöglichen. Um Tom, eher der Kategorie Taugenichts zuzuordnen, nach dem Tod seiner Mutter einen Lebenssinn zu schenken, involvierte sein Vater ihn in sein Zeitreiseprojekt und machte aus ihm einen Chrononauten (praktisch das Zeitreise Äquivalent zu einem Astronauten).  Wirklich durch die Zeit reisen sollte Tom jedoch nicht, er war nur die Zweitbesetzung für die begabteste Chrononautin schlechthin: Penelope Wechsler. Doch erstens kommt es anders und zweitens als man denkt.

Tom verliebt sich in Penelope und ist völlig aus dem Häuschen, als sie am Tag vor der ersten experimentellen Zeitreise mit ihm schläft. Doch die Glückswoge hält nicht lange an. Am nächsten Tag, kurz vor dem Start des ersten Testlaufs, stellen die Wissenschaftler fest, dass Penelope schwanger ist und somit ungeeignet für das Experiment. Ihr genetischer Code hat sich zu stark verändert und auch ein Schwangerschaftsabbruch wird nichts daran ändern. Wutentbrannt sagt Toms Vater das Experiment erst einmal ab. Er gibt Tom die Schuld und da ist er nicht der einzige. Penelope sieht ihren Lebenstraum zerplatzen und begeht kurzentschlossen Selbstmord. Tom trifft daraufhin ebenfalls eine unüberlegte Entscheidung und reist eigenhändig zurück durch die Zeit. Und schafft das, was man bei Zeitreisegeschichten eigentlich schon erwartet: Er verändert unabsichtlich wichtige Ereignisse und erschafft eine neue Realität: Die unsere. Er ist entschlossen seine Fehler wieder gutzumachen und unsere unterentwickelte Welt wieder zu der zu machen, die er kennt. Doch dann findet er heraus, dass Penelope Wechsler in dieser Welt noch lebt…

Das Buch Die Beste meiner Welten von Elan Mastai hat mir wirklich eine Achterbahnfahrt der Gefühle beschert, denn ich fand vieles daran toll, einiges aber auch ärgerlich und enttäuschend. Der Schreibstil ist sehr eingängig, das Buch liest sich absolut flüssig, auch dann noch, wenn wissenschaftliche Sachverhalte grob erklärt werden. Alles wissenschaftliche kam übrigens äußerst überzeugend herüber, auch wenn einiges natürlich nicht realistisch war. Die Kapitel sind kurz und enden ab und zu mit einem Cliffhanger, was mich ermuntert hat immer weiter zu lesen. Die Story hatte ein flottes Tempo und es gab jede Menge Action, ich habe mich durchweg unterhalten gefühlt.

Mein größtes Problem mit dem Buch liegt bei den Charakteren. So dienten beispielsweise alle wichtigen weiblichen Charaktere lediglich als Katalysatoren für die Handlungen der viel wichtigeren, männlichen Charaktere. So ist Penelope Toms Grund, überhaupt in der Zeit zurückzureisen. Die Penelope in unserer Realität wiederum verliebt sich bereitwillig umgehend in ihn, zweifelt auch nicht groß an seiner Zeitreise Story, da ihr je eh immer etwas im Leben zu fehlen schien. Dass Tom von einer Penelope zur nächsten wechselte, auch wenn schnell klar wurde, dass die beiden so gar nichts gemeinsam haben (in seiner Realität die ehrgeizige, selbstzerstörerische Chrononautin, in der unseren die nerdige Bücherladenbesitzerin, bodenständig und süß), hat irgendwie einen bitteren Beigeschmack. In was war er denn nun verliebt? Ihr Charakter kann es ja nicht gewesen sein…

Für einen weiteren wichtigen männlichen Charakter, einen Wissenschaftler, ist ebenfalls die Liebe zu einer Frau Auslöser vieler Probleme, doch auch diese Dame bleibt blass und hat lediglich den Job, die Dinge in Bewegung zu bringen. Eine weitere Frau, die nur als Katalysator verheizt wurde, um die Geschichte voranzutreiben, war Toms Mutter. Um ihren letzten Wunsch zu erfüllen, macht sein Vater ihn zu einem Chrononauten. So sind zwar die weiblichen Charaktere in der Story von Bedeutung, haben aber wenig Tiefgang oder werden einfach schnell getötet, um den Männern eine Motivation zu verleihen. Heutzutage erhoffe ich mir ehrlich gesagt etwas mehr von weiblichen Figuren, insbesondere wenn die Geschichte zum Teil in einer fortschrittlicheren Gesellschaft spielen soll. Dass auch in einer viel weiterentwickelten Realität eine ungewollte Schwangerschaft die Karriere einer Frau zerstören kann, hat mir ebenfalls bitter aufgestossen.

Trotz aller Kritik, Die Beste aller Welten ist ein unterhaltsames Buch mit Sci-Fi-Elementen. Wer keine all zu hohen Ansprüche an die Charaktere stellt, wird hier seinen Spaß haben.

2 thoughts on “Gelesen: Die Beste meiner Welten von Elan Mastai

    1. Das traurige ist, dass ich anfangs das Gefühl hatte das Buch könnte toll sein. Und dann wurde ich doch sehr enttäuscht…

Leave a Reply

Your email address will not be published. Required fields are marked *