Gelesen: Cat Person von Kristen Roupenian

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Im Dezember 2017 erschien im New Yorker die Kurzgeschichte Cat Person von Kristen Roupenian. In der Geschichte ging es um ein Mädchen, dass sich auf ein Date mit einem Mann einlässt und erkennen muss, dass er nicht der ist für den sie ihn gehalten hat. Es ging um Altersunterschiede, um angekratzte Egos und um schlechten Sex. Die Story wurde innerhalb kürzester Zeit zum viralen Hit. Vor Kurzem ist nun eine Kurzgeschichten Sammlung der Autorin, ebenfalls Cat Person betitelt, auf Deutsch erschienen. Das Thema der Geschichten: Männer und Frauen und die großen und kleinen Grausamkeiten, die sie sich antun.

Da gibt es die Geschichte einer Frau, die davon träumt ihren Vorgesetzten zu beissen. Sie fantasiert davon, ihre Zähne in sein Fleisch zu schlagen und lobt sich selbst für jeden Tag, an dem sie der Versuchung widerstehen konnte. Eine andere Story handelt von einem jungen Mann, der sich beim Sex vorstellt die Frauen würden sich an seinem Glied aufschlitzen. In Böser Junge startet ein Paar eine polygame Beziehung mit einem gemeinsamen Freund, welche darauf fusst, dass sie ihn nach Lust und Laune erniedrigen können. Doch an mancher Stelle im Buch wird es etwas märchenhafter oder übernatürlicher: Der Spiegel, der Eimer und der alte Knochen erzählt von einer selbstverliebten Prinzessin. In einer anderen Geschichte wird der abgedrehte Geburtstagswunsch eines kleinen Mädchens Wirklichkeit.

Die Vielfältigkeit der Geschichten ist sicher ein großes Plus des Erzählbands, ich persönlich fand Roupenian allerdings dann am stärksten, wenn die Geschehnisse realistisch blieben. Das Zwischenmenschliche, insbesondere die vielfältigen Dynamiken zwischen Mann und Frau, sind nicht nur das, was Roupenian damals viralen Rum brachte, sondern meiner Meinung nach auch das, was sie am Besten beherrscht. Das Erzählniveau ist durchweg solide, die Geschichten lesen sich flüssig und sind unterhaltsam. Dementsprechend war ich wirklich schnell durch (generell tendiere ich eher dazu, Kurzgeschichtenbände immer mal wieder in die Hand zu nehmen, doch Cat Person habe ich fast am Stück durchgelesen).

Auch wenn ihre übernatürlichen Geschichten meiner Meinung nach nicht ganz so sehr ins schwarze getroffen haben, fand ich den Band im Großen und Ganzen gelungen. Die menschlichen Abgründe, die Machtgefälle, die in vielen Beziehungen vorherrschen, wurden faszinierend verpackt in runde Stories. Hier glänzt Roupenian mit einer guten Beobachtungsgabe und dem Talent uns Unsympathen nahe zu bringen. Wer Kurzgeschichten sucht, die sich anfühlen als treffen sie den Puls der Zeit, liegt mit Cat Person genau richtig.

Cat Person ist im Aufbau Verlag erschienen. Mein Dank geht an den Verlag für die Bereitstellung des Ebooks.

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