Gelesen: Die einzige Geschichte von Julian Barnes

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Auf dem Klappentext zu Julian Barnes Roman “Die einzige Geschichte” steht nur ein einziger Satz: Würden Sie lieber mehr lieben und dafür mehr leiden oder weniger lieben und weniger leiden? In diesem Satz steckt die Essenz des Buchs. Erzählt wird die Geschichte des Teenagers Paul, der sich im konservativen Goflclub seines Heimatorts in die wesentlich ältere, verheiratete Susan verliebt. Eigentlich wollte er gar nicht Tennis spielen, doch seine Eltern drängten ihn dazu in der Hoffnung, er möge ein nettes Mädchen kennenlernen. Dass er stattdessen eine gestandene Frau trifft und mit ihr eine Beziehung eingeht entspricht natürlich ganz und gar nicht ihren Vorstellungen.

“Seltsam, dass man als junger Mensch nicht der Zukunft verpflichtet ist; aber als alter Mensch ist man der Vergangenheit verpflichtet. Dem Einzigen, was man nicht ändern kann.” – Die einzige Geschichte, Julian Barnes

Paul erzählt rückblickend von dieser großen Liebe, der er, so gibt er zu, mit Naivität und fehlplaziertem Optimismus begegnete. Jetzt, älter und weiser, sieht er seine Verfehlungen. Die anfänglich beschwingende Liebe gipfelte nämlich in Schmerz. Nachdem Paul und Susan zusammen durchgebrochen sind, verfällt sie zunehmends dem Alkohol. Paul kann nur hilflos mitansehen, wie ihm die Liebe seines Lebens immer mehr entgleitet.

Pauls Erzählungen wirken authentisch in ihrer Oberflächlichkeit, unwichtigen Details schenkt er keine Beachtung sondern konzentriert sich auf seine Gefühle und deren Auslöser. Auch springt er ab und zu innerhalb der Erzählung oder geht nochmal auf Szenen ein, die er bereits zu einem früheren Zeitpunkt beschrieben hat. Er schildert sein verklärt romantisches, jugendliches Weltbild und rückt es zeitgleich in Perspektive. Da wir auf seine Erzählungen beschränkt sind, bleiben jedoch alle anderen Figuren etwas blass, sogar seine geliebte Susan.

Eine melancholische Liebesgeschichte, eine Reklektion und Neubewertung der Vergangenheit: Die einzige Geschichte hat einen eigentümlichen Charme, glänzt mit viel Introspektive und bietet wenig Handlung. Ein ruhiges, nachdenkliches Buch. Julian Barnes Roman ist bei Kiepenheuer & Witsch erschienen und umfasst 304 Seiten.

 

 

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