Gelesen: Irgendwo zwischen Liebe und Musterhaus

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Katja ist Anfang 30, hat einen festen Freund namens Jonas und einen Job bei einer lokalen Gratiszeitung, für den sie eigentlich überqualifiziert ist. Ihr Umfeld gibt ihr zu verstehen, dass sich bald etwas tun muss in ihrem Leben: Ihr Freund zerrt sie zu Hausbesichtigungen, ihre Eltern drängen auf Enkel, beruflich sollte sich auch mal was verändern. Aber Katja findet den Gedanken weder an das eine, noch das andere, besonders erbaulich. Klar, Frauen können heute Karriere ud Kinder haben, aber was wenn man keins von beidem will?

Auf einer Kleinstadt Soiree, die von dem schmierigen Kunstförderer Heinrich veranstaltet wird, lernt Katja den Krimi-Autor Robert kennen, der durch seinen Roman “Die Geschändeten von Heusenstamm” berühmt wurde, und irgendwie funkt es zwischen den beiden. Doch wäre eine Affäre es wert, all das aufzugeben, was Katja eigentlich ohnehin wicht will, aber laut Gesellschaft wollen sollte?

Susanne Hasenstabs Roman “Irgendwo Zwischen Liebe und Musterhaus” ist bevölkert von skurillen Charakteren: Da gibt es Katjas Freundin Inga, eine zierliche Lifestyle Bloggerin, die am liebsten nach Bali reist. Kunstliebhaber Heinrich, der Katja gerne an die Wäsche würde und sich selbst für den Kunstpabst ihrer Kleinstadt hält. Dessen Lebensgefährtin Hermine, die sich selbst verwirklicht, indem sie Brokat Gewänder für kopflose Elfenpuppen schneidert. Die Figuren sind bewusst stark überzeichnet, sie sind wandelnde Klichees. Aber irgendwie erkennt man in Nuancen auch immer wieder Menschen wieder, die man kennt.

Die herlichen Dialoge im Buch und Katjas innere Stimme, die diese zynisch kommentiert, haben mich wiederholt zum schmunzeln gebracht. Insagesamt habe ich mich bei der Lektüre des Buchs sehr amüsiert. Hasenstabs Humor, ihre Beobachtungsgabe und ihr Wortwitz haben mich positiv überrascht, denn ich bin ohne große Erwartungen an das Buch herangegangen. Auch das Katja eine so untypische (Anti-)Heldin ist hat mir sehr gefallen: weder ist sie extrovertiert, noch auf niedliche Art schüchtern. Sie hält sich meist zurück, aber oft aus Mangel an Interesse oder weil sie nichts beitragen will.

Der Titel “Irgenwo zwischen Liebe und Musterhaus” ist meiner Meinung nach etwas irrenführend, da er auf ein romantisches Buch hindeutet. Nur vom Titel ausgehend hätte ich daher wahrscheinlich nicht zu dem Buch gegriffen. Da der Verlag mir freundlicherweise ein Exemplar geschickt hat, kam ich trotzdem zu dem Lesegenuss und war positiv überrascht. Wer Lust auf ein parodistisches Buch mit überzeichneten Charakteren und viel Humor hat, sollte definitiv reinlesen.  Der Roman umfasst ca. 410 Seiten und ist im Limes Verlag erschienen.

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