Gelesen: Bret Easton Ellis’ Weiß

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Bret Easton Ellis wurde in den 80er Jahren mit seinem Erstling Unter Null berühmt, ein bitteres Buch über verlorene Jugendliche. Damals wurde er Teil des literarischen Brat Packs, galt als Sensation mit unverfälschter Autorenstimme. Später folgte ein Riesenerfolg mit dem kontroversen Buch American Psycho und der gleichnamigen Verfilmung. Doch was wurde aus Ellis, was macht er heute? Schon lange ist kein Roman mehr von ihm in der Presse gewesen, stattdessen fiel er durch kontroverse Tweets, und seine Bemühungen das Screenplay zu 50 Shades of Grey schreiben zu dürfen, auf.

Mit Weiss erschien nun eine Essay Sammlung des Provokateurs Ellis. Gewohnt gut geschrieben, aber inhaltlich ein Spagat zwischen anspruchsvollen Inhalten und defensiver Rechtfertigung. Und doch, absolut unterhaltsam, wenn auch an mancher Stelle, weil man nicht mehr aus dem Kopfschütteln herauskommt.

Man sollte mich nicht falsch verstehen, in einigem konnte ich Ellis durchaus zustimmen oder zumindest seinen Standpunkt nachvollziehen und ich war auch angetan von seinen Erzählungen über das Aufwachsen als Jugendlicher in den 80ern, die mich mit einer unbestimmten Sehnsucht erfüllten. Dass er die ‘Opferkultur’ anprangert und jüngere Generationen leichtfertig abschreibt, liess ihn hingegen wie einen altgewordenen Moralapostel wirken. Aber Ellis wäre nun mal nicht Ellis, würde er nicht auch provozieren, Trump Wähler wie Kanye in Schutz nehmen (obwohl er selbst laut eigener Aussage absolut unpolitisch ist) und seine sexistisch anmutenden Tweets über Katheryn Bigelow verteidigen.

Irgendwie ist Ellis immer noch Ellis, unangepasst, kratzig, manchmal mehr, manchmal weniger nachvollziehbar in seinen Argumentationen. Vielleicht hat er zumindest in einem recht: Man kann nicht offen und tolerant sein, wenn man sich nur mit einer ‘Bubble’ von Leuten umgibt, die genauso denken wie man selbst. Und so ist Ellis Weiß auch eine Übung im akzeptieren unbequemer Meinungen. Nicht einfach, aber absolut unterhaltsam. Weiß ist bei Kiepenheuer & Witsch erschienen, ich bedanke mich für das Rezensionsexemplar.

 

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