Gelesen: Ich und meine Mutter von Vivian Gornick

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Vivian Gornick ist eine Journalistin und Autorin, die als Tochter jüdischer Einwanderer in der Bronx aufwuchs. In ihrem berührenden Roman Ich und meine Mutter schreibt sie sehr reflektiert über die schwierige Beziehung zu ihrer Mutter. Statt einem roten Faden gibt es Ausschnitte und Anekdoten aus ihrem Leben. Die Geschichte deckt die aktuelle Zeit ab, in der Gornick mit ihrer Mutter durch New York spaziert und über gegenwärtiges und Vergangenes redet, arbeitet aber auch mit Rückblenden, die Gornicks Jugend, den Tot ihres Vaters und ihre vergangenen Beziehungen beleuchten.

Wer Action sucht oder eine Geschichte mit klarem Aufbau, die auf ein Finale zusteuert, wird enttäuscht werden. Das Buch ist Reflektion, wohl ein Stück weit Selbsttherapie, ein Werk über Beziehungen und deren Höhen und Tiefen. Der frühe Tod des Vaters ist ein zentrales Element, genauso wie die Nachbarin Nettie und deren kompliziertes Verhältnis zu Gornick selbst und deren Mutter. Es geht um Liebe, Familie und Freundschaft. In erster Linie geht es aber um facettenreiche Frauen, unperfekte Geschöpfe mit Makeln, gefangen in sozialen Konventionen.

Gornick hat einen sehr eingängigen Schreibstil. Sie tritt im Buch oft als Beobachterin auf, die die Personen um sie herum betrachtet und versucht, deren Verhalten zu verstehen. Doch auch sich selbst analysiert sie, beleuchtet reflektiert ihre eigene Gefühlswelt und die daraus resultierenden Handlungen. Ich und meine Mutter ist ein lesenswerter Roman über ambivalente Gefühle und schwierige Beziehungen, ein Ausschnitt aus dem Leben der Autorin.

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