Gelesen: Fun Home

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In Fun Home (kurz für Funeral Home) erzählt Alison Bechdel (ja, die Erfinderin des Bechdel Tests) von ihrer Jugend. Eine liebevoll gestaltete Selbstreflexion, ein Comic über Identität, Familie und Literatur. Im Zentrum der Geschichte steht der Selbstmord von Alisons Vater und Allisons Beziehung zu ihm und die Parallelen zwischen ihrer beider Leben.

Eine Liebe zur Literatur und die Liebe zum eigenen Geschlecht – diese Faktoren verbanden Allison und ihren Vater, auch wenn sie von letzterem erst spät erfuhr, war er doch all die Jahre mit ihrer Mutter verheiratet. Davon abgesehen hatte Allison keinen richtigen Zugang zu ihrem Vater. Er war für sie in vielerlei Hinsicht ein Rätsel. Ein Rätsel, das sie in ihrem Comic zu entschlüsseln versucht.

“Ich trieb steuerlos auf dem offenen Meer, aber mein Kurs wurde allmählich klar. Er lag zwischen der Skylla meiner Freunde und der strudenlden Charybdis meiner Familie.” (S. 219)

Allisons eigene Sexualität, ihre Homosexualität, lebt sie offen aus, ihr Vater hingegen verheimlichte diese Seite seiner selbst. Allison erzählt von seinen Ticks, seiner Liebe für Deko, seiner Belesenheit und seinem tragischen Tod, der ein Unfall gewesen sein könnte, aber ebenso gut Selbstmord.

Aufbereitung einer tragischen Familiengeschichte, tiefgründige Selbstreflexion – in Fun Home steckt zwar nicht viel “Fun”, aber der Comic hat eine beeindruckende Tiefe und befasst sich auf sensible und reflektive Art mit den darin erzählten Geschehnissen. Bechtels Zeichenstil ist detailverliebt, arbeitet aber weitgehend ohne Farbe, nur Blau dient zum Schattieren.

Für 9,99 Euro erhält man eine packende, grafisch gut aufgearbeitete Geschichte, einen Familienroman, eine Liebeserklärung an Literatur und einen melancholischen Blick auf vergangene Tage. “Fun Home” ist bei Carlsen erschienen und sollte im Regal keines Comic Fans fehlen.


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