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Interview mit Autorin Stine Oliver

Über Instagram kann man viele interessante Menschen kennenlernenn, darunter auch Autorinnen und Autoren. Durch solche Kontakte ergeben sich dann manchmal tolle Möglichkeiten, wie diese: Ich durfte Autorin Stine Oliver interviewen. Stine verrät uns, was sie inspiriert, wie es ist ein Buch selbst zu veröffentlichen und welche Autoren sie selbst gerne liest. Viel Spaß beim Lesen.

Liebe Stine, worum geht es in deinem Erstling „Miep und Moppe“?

Der Roman ist ein All Ager mit Urban-Fantasy-Elementen für Lese-Fans ab 10 Jahren. Es wird abwechselnd aus der Perspektive der beiden Protagonisten erzählt. Miep ist dreizehn und stellt plötzlich fest: Sie kann sich in ein Eichhörnchen verwandeln. Der genervte Teenie findet das albern und kann mit Tieren ohnehin nicht viel anfangen. Moppe ist das schnuppe: Das lispelnde, wortgewandte Zwergkaninchen hat sich in den Kopf gesetzt, mit der Wandlerin Freundschaft zu schließen und sie bei ihren Aufgaben zu begleiten – diverse Sticheleien der beiden inklusive. Dazu kommen diverse schräge Randfiguren wie ein Plattdeutsch schnackender Waldkauz. Ich möchte Leser*innen auf unterhaltsam-lockere Weise Werte wie Toleranz, Rücksicht und Zusammenhalt nahebringen und gleichzeitig für Sprache begeistern und zum Lesen motivieren. Deshalb geht es in „Miep & Moppe“ um das Hauptthema Freundschaft, aber auch um den Mix aus moderner und ungewöhnlicher, nur scheinbar etwas angestaubter Sprache, plus einige meiner persönlichen Buchfavoriten wie „Pu der Bär“, Alice im Wunderland“ und „Urmel aus dem Eis“.

Kannst du uns ein bisschen was über dich erzählen? Woher kommst du? Was sind deine Hobbys?

Ich stamme aus einem Dorf im Elbe-Weser-Dreieck und bin Bremerin, seit ich vor Jahren zum Soziologiestudium herkam. Ich bin in vielen Dingen typisch norddeutsch, mag die Ostfriesischen Inseln, Möwen, Plattdeutsch, die trocken-schnodderige Art der Leute hier. Geschichten, Schülerzeitung, Tagebuch, ungezählte Artikel: Schreiben ist schon immer mein Ding gewesen. Neben dem Lesen ist es quasi meine Superkraft, die mich in oft ungeahnte Welten entführt, und mir zugleich eine Möglichkeit verschafft, andere Menschen zu unterhalten. Tatsächlich habe ich meine beiden Hobbys zum Beruf gemacht – sind es dann überhaupt noch Hobbys? Außerdem bin ich absoluter Serien-Nerd, habe eine Schwäche für Käsekuchen und Chips und liebe Reisen nach Skandinavien sowie ans Meer.

Wolltest du immer schon Bücher schreiben?

Lange Jahre blieb es bei unzähligen Ideen im Kopf und auf viele verschiedene Notizbücher verteilt. Ich texte und lektoriere in meinem Brotjob, deshalb fehlte mir das Schreiben als Ausgleich nie. Aber Fiktion ist eine ganz andere Welt, möglicherweise hatte ich ein bisschen Angst vor der eigenen Courage. Den Debütroman habe ich 2018 auf der Basis einer Kurzgeschichte von 2017 begonnen ­, sie wurde das erste Kapitel in „Miep & Moppe“. Ich hatte im Rahmen einer Online-Autorenmesse unter anderem ein Interview mit Bestsellerautor Sebastian Fitzek gesehen, außerdem verschiedene Videos von Annika Bühnemann – und war plötzlich höchst motiviert und fokussiert.

Hast du Rituale, die dir beim Schreiben helfen oder spezielle Orte, an denen du am liebsten arbeitest?

Bei mir ist es ein Mix aus Ordnung und Pragmatismus trifft Kreativität und Chaos. Die Ideen kommen mir immer und überall und schwelen dann entweder im Kopf oder wandern in ein Notizbuch. Wenn es an das Manuskript geht, erstelle ich eine Handlungs- und Kapitelstruktur, das ist mein Gerüst. Grundsätzlich bin ich dann aber offen für alles, was beim Schreiben passiert – wenn die Figuren erst einmal loslegen, ist der zuvor geplante Weg vielleicht nur noch von ganz weit weg zu sehen. Ich liebe diesen Flow, wenn sich eine Geschichte entwickelt, von der ich nicht hundertprozentig weiß, woher sie kommt. Dieser Schreibfluss entsteht meist mit Laptop auf meinem riesigen Lesesessel mit Blick auf den grünen Hinterhof und den blauen Himmel, an dem viele Vögel und Wolken vorüberfliegen. Dazu Notizheft mit Szenenfetzen und dem geplanten Plot, Ohrstöpsel und Tee in Griffweite ­­– dann passt es. Die Textüberarbeitung passiert übrigens ganz ordentlich am Schreibtisch.

Welche Projekte planst du für die Zukunft?

Da soll noch einiges kommen! Ich habe aktuell ein paar Dinge parallel in Arbeit, am konkretesten sind der zweite Teil von „Miep & Moppe“ und eine Zeitreisegeschichte, allerdings für etwas ältere Leser*innen.

Du hast dein Buch selbst herausgebraucht. Worauf muss man beim Selfpublishing achten?

Du hast viele Möglichkeiten, die gleichzeitig eine große Herausforderung darstellen. Ein klares Ziel und viel Durchhaltevermögen sind selbstverständlich, sonst wird es nichts oder qualitativ unzureichend. Du willst ein professionelles Produkt abliefern, also gibst du im Zweifel einzelne Bereiche aus der Hand, beispielsweise Covergestaltung, Buchsatz, Lektorat und Buchmarketing. Immer vorausgesetzt, dein Budget lässt das zu. Man kann es nicht oft genug betonen: Auf jeden Fall Finger weg von Druckkostenzuschussverlagen, die Betrag x von dir wollen, ohne selbst etwas zu leisten. Zum Glück gibt es einige richtig gute, renommierte, vertrauenswürdige Dienstleister, die Selfpublisher gleichzeitig kompetent und fair unterstützen. Es ist ein weites Feld und der Austausch mit Autorenkolleg*innen sowie die Recherche auf Blogs oder bei Bookstagram sind unerlässlich. Empfehlenswerte Infoquellen sind auch Seiten wie Selfpublisherbibel.de und Autorenwelt.de.

Du warst für den Deutschen Selfpublishing-Preis 2019 (DSPP) nominiert. Kannst du uns dazu etwas mehr erzählen? Wie war das für dich?

Ich hatte mein Debüt eher unter dem Motto „Dabei sein ist alles“ eingereicht. Es dann mit einem von mehr als 1800 Bewerbertiteln erst auf die Longlist und dann auf die Shortlist zu schaffen, war ebenso unverhofft wie wunderbar. Diese Bestätigung und Wertschätzung aus der Branche bedeutet mir sehr viel. Den Titel habe ich dann zwar nicht gewonnen, ich bin aber dankbar für das gesamte Drumherum: all die Bekanntschaften mit Autor*innen, Blogger*innen, Verlagsleuten, all die Erfahrungen und Eindrücke. Mit Monika Augustin zum Beispiel, der Siegerin in „meiner“ DSPP-Kategorie „Belletristik & Kinder- und Jugendbuch“, stehe ich seit der Frankfurter Buchmesse in engem Kontakt.  Wir wurden jetzt gemeinsam für eine große Schullesung im Rahmen der Leipziger Buchmesse 2020 gebucht, ich freue mich schon wahnsinnig darauf.

Hast du zum Abschluss noch ein paar Buchtipps für die Leser dieses Blogs?

 
Abgesehen von den Buchtipps aus „Miep & Moppe“ aus der ersten Antwort empfehle ich momentan ständig mein absolutes Lieblingsbuch 2019: „Alles, was man von hier aus sehen kann“ von Mariana Leky, eine wundervoll tragikomische Geschichte mit einem herrlichen Humor. Ich liebe Romane, die heiter und traurig zugleich sind. „Alles ist erleuchtet“ von Jonathan Safran Foer und „Oma lässt grüßen und sagt, es tut ihr leid“ von Fredrik Backman gehören dazu. Meine aktuellen Lieblingsautorinnen sind Zadie Smith („Swing Time“) und „Mumin“-Erfinderin Tove Jansson, die ich gerade wiederentdeckt habe. Und dann wären da noch die alten Schinken, ohne die ich nicht kann, zum Beispiel von Wilkie Collins, der die ersten Mystery-Thriller verfasste. Seine Wälzer „Die Frau und Weiß“ und „Der Monddiamant“ gehören neben denen von Jane Austen und Charles Dickens zu meinen Lieblingsklassikern.

Stine Oliver, Januar 2019, (www.miep-und-moppe.de, Instagram: stine.oliver)

Disclaimer: Die Bilder wurden mir freundlicherweise von der Autorin zur Verfügung gestellt.

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