Gelesen: Die Zehnjahres Pause von Meg Wolitzer

Frauen wird heutzutage gerne suggeriert sie könnten alles haben: Kinder, Karriere, ein erfülltes Leben. Der Frage, ob dem wirklich so ist, stellt sich Meg Wolitzers Roman Die Zehnjahres Pause, der im Original erstmals 2009 erschien. Das Erscheinungsjahr scheint mit durchaus relevant, denn wenn man es weiß, kann man hinterfragen, ob das beschriebene heute immer noch zutrifft oder sich in den letzten 11 Jahren viel geändert hat.

Das Buch beleuchtet Ausschnitte aus dem Leben einer Gruppe von Freundinnen, von denen die meisten in New York leben und alle Kinder haben. Da ist beispielsweise Amy. Sie arbeitete, wie ihr Ehemann, in einer Anwaltskanzlei, bevor ihr Sohn zur Welt kam. Danach hing sie die Karriere an den Nagel, blieb stattdessen Zuhause. Dass die teure Wohnung in New York sich nur schwer mit einem Gehalt tragen lässt, ist ihr zwar bewusst, so richtig beschäftigen will sie sich mit dem Thema Finanzen aber nicht. Als interessanter erweist sich das Liebesleben einer Frau, deren Sohn mit Amys Sprössling zur Schule geht.

Eine Freundin von Amy hat sich entschlossen ein Kind zu adoptieren und hadert nun damit, eine Verbindung zu ihrer Tochter aufzubauen. Eine weitere Freundin bedauert den Verlust ihrer Kreativität und versucht sich stattdessen, politisch zu engagieren.

Neben dem Alltag der um die 40-Jährigen Mütter beleuchtet Wolitzer auch immer wieder mal, wie die Elterngeneration im Alter ihrer Töchter lebte, welche Hoffnungen sie für die folgende Generation hatte. So war Amys Mutter beispielsweise eine Feministin, die Frauengruppen zusammenbrachte und ihre eigene Karriere verfolgte, was damals noch eher ungewöhlich war. Dieser Kontrast ist interessant und augenöffnend.

Auch wenn dem Buch ein roter Faden fehlt und es sich mehr wie eine Momentaufnahme anfühlt, fand ich es unterhaltsam. Die Figuren sind dreideminsional, die beschriebenen Probleme immer noch aktuell, vor allem hat mich aber Wolitzers Schreibstil überzeugt. Der hatte mich schon in ihrem Werk Die Interessanten verzaubert und auch hier bin ich wieder hin und weg.

Sozialkritisch aber nicht mit erhobenem Zeigefinger, beleuchtet Wolitzer die vielen Seiten, die die Diskussion um Vereinbarkeit von Familie und Beruf mit sich bringt. Auch elf Jahre nach der ersten Veröffentlichung, ist das Buch immer noch sehr lesenswert und aktuell. Die Zehnjahres Pause ist bei Dumont erschienen.

Mein Dank geht an den Verlag für das Rezensionsexemplar.

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