Gelesen: Happy Fat

Ich gebe es zu, ich bin nicht schlank. Nicht annähernd. Ich bin wohl irgendwo dazwischen. Ich kaufe noch in “normalen” Klamottenläden ein (normal in Anführungszeichen, denn Läden mit großen Größen sollten nichts unnormales sein), aber ich habe genug Kilos auf den Hüften um zu wissen wie es ist, wenn man aufgrund seines Gewichts gehänselt oder verurteilt wird. Und doch weiß ich es auch nicht, denn es gibt Menschen die viel schwerer sind als ich und die sich viel mehr gefallen lassen müssen.

Übergewichtige Menschen gelten als faul und undiszipliniert. Dabei sagt das Äußere erst einmal nichts darüber aus, wie zielstrebig eine Person ist. Auch sagt es nicht zwangsweise etwas darüber aus, wie viel eine Person isst oder wie oft sie sich sportlich betätigt. Trotzdem gibt es in unserer Gesellschaft eine Tendenz, übergewichtige Menschen zu verurteilen. Irgendetwas müssen sie ja falsch machen. Normal kann das nicht sein, oder?

Wie die meisten Menschen habe auch ich schon oft mit meinem Körper gehadert. Menschen jeglicher Größe und jeglichen Gewichts können mit ihrem Körper unzufrieden sein. Dennoch ist es wichtig anzuerkennen, dass es in unserer Gesellschaft “thin privilege” gibt. Dünne Menschen werden anders wahrgenommen und ihnen wird mehr zugetraut.

Über dieses Thema und viele weitere Aspekte, die im Bezug zu Übergewicht stehen, geht es in Sophie Hagens Buch Happy Fat welches bei Dumont erschienen ist. Hagen, in den sozialen Medien aktive Fat Aktivistin und Komikerin, hat einen eingängigen Schreibstil, das Buch liest sich sehr flüssig und ist informativ. Mit ihrer ironischen Art hat sie mich zudem des öfteren zum schmunzeln gebracht. Sie spricht vieles an, mit dem ich mich identifizieren kann und hat mir für andere Probleme sehr dicker Menschen erst die Augen geöffnet.

Das Buch enthält Interviews mit einem übergewichtigen Transmann, einer übergewichtigen POC und einer übergewichtigen Frau, die im Rollstuhl sitzt, bemüht sich daher auch um Inklusion und Intersektionalität und richtet den Blick über Hagens eigenen Tellerrand hinaus. Wer schon immer wissen wollte, warum wir eine dicke Disney Prinzessin brauchen, wie es für sehr schwere Menschen in Flugzeugen ist oder wie man dicken Freunden eine Stütze sein kann, sollte zu diesem Buch greifen. Wer sich selbst als dick ansieht, wird in dem Buch mutmachende Texte finden und das Gefühl, nicht allein zu sein.

Definitive Leseempfehlung für Leser mit jeglichem Körperumfang. Mein Dank geht an den Verlag, für die Bereitstellung des Rezensionsexemplars.

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2 Comments

  1. July 26, 2020 / 5:53 pm

    Hey Silke,

    ich muss nochmal sagen wie mega dir dieses Kleid steht <3
    Das Buch hört sich super an! Dieses Thema kommt traurigerweise nie aus der Mode 🙁
    Leider geht das bei unserer Gesellschaft nicht….dabei reicht es eig gesund und glücklich zu sein…
    Trotzdem ist keiner immun was da so von außen einprasselt.

    LG Lisa

    • Bearnerdette1
      August 6, 2020 / 11:10 am

      Liebe Lisa

      danke für den lieben Kommentar. 🙂
      Ja, gerade deshalb ist das Buch sehr wichtig und hat mir viel gegeben.

      Viele liebe Grüße
      Silke

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