Gelesen: Brüste und Eier

Als ich über dieses Buch in einer Verlagsvorschau stolperte war mein erster Gedanke: Brüste und Eier? Was ist denn das für ein Titel? Mein Interesse war geweckt und ich orderte ein Rezensionsexemplar (an dieser Stelle ein Dankeschön an den Verlag für die Bereitstellung). Als es ankam war ich zunächst von den äußeren Werten beeindruckt. Das Hardcover gefällt mir gut, die Farben sprechen mich sehr an und das Motiv auf der Vorderseite ist auf den ersten Blick einfach schön, auf den zweiten verrät es einiges über den Inhalt, auf subtile und stilvolle Art. Ein Hingucker.

Erzählt wird die Geschichte der Japanerin Natsuko Natsume. Das Buch ist in zwei Teile geteilt: Teil 1 spielt im Sommer 2008, Teil 2 Sommer 2016 bis Sommer 2019. Im ersten Teil erhält Natsuko, die in Tokyo lebt, Besuch von ihrer älteren Schwester Makiko und deren Tochter Midoriko. Makiko will sich einer Brust-OP unterziehen und möchte sich in Tokyo informieren. Ihre Tochter spricht sein Monaten nicht mehr mit ihr und kommunizert mit Zetteln. In diesem Teil der Geschichte wirkt Natsuko eher wie eine Beobachterin. Von außen wirft sie einen Blick auf die komplizierte Mutter-Tochter-Beziehung.

Erst im zweiten Teil wirkt Natsuko vermehrt wie eine aktive Protagonistin. Dieser Teil spielt Jahre später und befasst sich mit ihrem aufkeimendem Kinderwunsch, der sie als asexuelle Frau vor Herausforderungen stellt. Makiko und Midoriko, die so zentral für den ersten Teil waren, spielen hier nur noch eine kleine Nebenrolle. Fast fühlt es sich an wie zwei Bücher in einem, mit unterschiedlichem Fokus.

Brüste und Eier von Mieko Kawakami ist eine Geschichte über Rollenbilder, Traumata und Wünsche. Der Roman befasst sich mit der Frage ob man es verantworten kann, neues Leben in diese Welt zu bringen, und unter welchen Rahmenparametern dies in Ordnung ist. So ist Makiko alleinerziehende Mutter und Natsuko will ebenfalls alleine ein Kind großziehen. Das Buch kommt nicht mit erhobenem Zeigefinger daher sondern zeigt verschiedene Standpunkte anhand verschiedener Figuren. So trifft Natsuko beispielsweise auf Mitglieder eines Vereins, der sich für die Rechte von Kindern einsetzt, die aus einer anonymen Samenspende entstanden sind.

Alles in allem hat mir der Roman gut gefallen und hat mich zum Nachdenken angeregt. Ich mochte Natsuko und konnte ihre inneren Konflikte nachfühlen. Gegen Ende hätten es für mich ein paar Seiten weniger sein dürfen. Dennoch kann ich den Roman guten Gewissens empfehlen. Einfühlsam und differenziert zeichnet er ein dreidimensionales Bild vom Leben von Frauen in Japan, vom Hadern mit Rollenbildern und gesellschaftlichen Erwartungen. Brüste und Eier ist im Dumont Verlag erschienen.

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