Gelesen: Mein Jahr der Ruhe und Entspannung

Eine junge New Yorkerin, schlank und schön, möchte immer mehr schlafen. Bei einer zwielichtigen Therapeutin, die sich nicht einmal merken kann, dass die Eltern ihrer Patientin tot sind, lässt sie sich jede Menge Medikamente verschreiben, auch experimentelle. Damit dehnt sie ihre Schlafphasen immer mehr aus, auf 12 dann 14 Stunden pro Tag. Sie vernachlässigt ihre Arbeit in einer Kunstgalerie, verliert jegliches Interesse an sozialer Interkation, beispielsweise mit ihrer besten Freundin Reva, und lässt sich immer mehr gehen.

Mein Jahr der Ruhe und Entspannung von Ottessa Moshfegh ist ein Buch in dem nur wenig geschieht, aber viel gesagt wird. Ein Blick auf Depressionen, wie ich ihn noch aus keinem Buch kenne. Mit einer unsympathischen Protagonistin, die einen dennoch berührt, gerade durch ihre kühle, gefühlsarme Art. Immer mehr erfährt man über sie und über die Umstände, die sie an einen Punkt gebracht haben, an dem sie der Welt nur noch den Rücken kehren will.

“Ich ertappte mich, wie ich mit angehaltenem Atem auf dem Sofa lag und die Staubflocken beobachtete, die von einem Luftzug über den Dielenboden gewirbelt wurden. Dann erinnerte ich mich kurz daran, dass ich lebendig war, und war auch schon wieder weg”. (Seite 82)

In der Mitte hatte das Buch ein paar Längen, alles in allem hat es mir aber ungemein gut gefallen. Dazu trug auch der eingängig Schriebstil bei. Mein Jahr der Ruhe und Entspannung ist ein lohnenswerter aber ungeschönter Blick auf eine Frau und ihre mentale Gesundheit. Erschienen ist das Taschenbuch bei BTB, ich bedanke mich beim Verlag für das Rezensionsexemplar.

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