Gelesen: Aber es wird regnen

Im August stellte ich euch die Kurzgeschichtensammlung Tagtraum und Trunkenheit einer jungen Frau der Brasilianerin Clarice Lispector vor. Nun kam ich in den Genuss den zweiten Sammelband ihrer Kurzgeschichten zu lesen, eenfalls bei Penguin erschienen: Aber es wird regnen.

Äußerlich erwartet den Leser erneut ein hochwertiges Hardcover mit Lesebändchen. Innen drin taucht man wieder in Lispectors vielschichtige Gedankenwelt ein. In mal kürzeren, mal längeren Episoden thematisiert sie in erster Linie das Leben von Frauen in Brasilien, über die Empfindungen einer Mutter, bis hin zu einer Begegnung mit einem eigenwilligen Äffchen.

“Blütenblatt hoch oben: welche extreme Oberfläche. Kathedrale aus Glas, Oberfläche der Oberfläche, unerreichbar für die Stimme. An deinem Stil entlang schließen zwei Stimmen sich der dritten und der fünften und der neunten an – weise Kinder öffnen Morgenmünder und stimmen Geist an, Geist, Oberfläche, Geist, unberührbare Oberfläche einer Rose.” (S. 125)

Ihre ruhigen, poetisch anmutenden Geschichten, in denen kein Satz zu viel wirkt, haben mich wieder sehr begeistert. Obwohl scheinbar nicht viel passiert, ist doch die Gedankenwelt der Figuren so rege, dass keine Langeweile aufkommt. Trotzdem würde ich Lispector-Neulingen raten mit dem anderen Band zu beginnen, dieser hier war fragmentierter als Tagtraum und Trunkenheit einer jungen Frau.

Mein Dank geht an den Verlag für die Bereitstellung des Rezensionsexemplars.

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1 Comment

  1. Lisa
    February 9, 2021 / 6:39 pm

    Huhu Silke,
    Das ist ein tolles Zitat! Klingt wirklich sehr poetisch 🙂 Ich habe bisher nicht viel aus Brasilien gelesen… (nichts?), und diese Geschichten klingen wirklich cool!
    Liebe Grüße!
    Lisa

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