Gelesen: Die Unbezwingbare

Der zweite Titel aus dem Ecco Verlag, den ich euch vorstellen möchte, ist Katja Kettus Die Unbezwingbare. Der Briefroman behandelt das Leben von Lempi, die halb amerikanische Ureinwohnerin, halb Finnin ist. Zudem beleuchtet er auf einer weiteren Zeitebene, ebenfalls in Briefen, das Leben von Lempis Mutter Rose, welche vor Jahrzehnten verschwunden ist.

Lempi, die nach dem Tod ihrer Mutter das Reservat verlassen hat, erhält eines Tages einen Anruf, dass sie zurückkommen muss. Im Reservat ist ein Mädchen verschwunden, ein weisses Mädchen, und Lempis seniler Vater Ettu steht im Verdacht, etwas mit der Sache zu tun zu haben. Dabei verschwinden doch seit Jahren immer wieder Mädchen und junge Frauen, doch da es sich bisher zumeist um Ureinwohnerinnen handelte, scherte es die Behörden wenig.

Lempi kehrt also zurück, zu einem todkranken Vater, der wirres Zeug redet, und zu einem ehemaligen Liebhaber, der jetzt verheiratet ist und ihr trotzdem Avancen zu machen scheint. Sie wird heimgesucht von den Erinnerungen an das Verschwinden ihrer unbezwingbaren Mutter, das nie aufgeklärt wurde. Und sie findet sich zwischen mehreren Welten wider, den zwei Ahnenlinien, die nie ganz zusammengefunden haben, und ihrem alten und dem neuen Leben.

Mein Leben lang habe ich mich darauf konzentriert, unauffällig und demütig, eine Art Amerikanerin zweiter Klasse zu sein. Ich kann mich nicht in die Sanftheit des Sternenbanners hüllen, für mich ist es ein rauer, grober Stoff, und wenn man ihn zu Boden fallen lässt, bekommt man Dunkelkarzer und schmerzende, mit dem Kartenstock geschlagene Finger.” (S. 32)

Wow, was für ein Buch! Anfangs hatte ich befürchtet der Einstieg würde mir schwer fallen, aber nach den ersten paar Kapiteln war ich mittendrin und ganz verzaubert von Kettus wunderbarem, poetischen Schreibstil. Das Format, Kapitel in Briefform, funtkioniert gut, denn es lässt uns in die Gedankenwelt der Hauptfiguren eintauchen, so dass man schnell eine Nähe zu ihnen aufbaut.

Die Figuren sind dreidimensional mit ihren Vorzügen und Fehlern, und so lernt man die freigeistige aber manchmal starrköpfige Rose ebenso schätzen wie die zurückhaltende Lempi. Das Buch geht viel darauf ein, welches Unrecht den Ureinwohnern widerfahren ist und das ist ganz schön harter Tobak. Manches wusste ich natürlich, anderes hat mich schockiert. Man kommt nicht umhin sich wie so oft zu fragen, wie Menschen anderen Menschen solche Dinge antun können.

Ein Buch mit Verstand und Herz – von mir gibt es eine ganz große Leseempfehlung für Katja Kettus Roman Die Unbezwingbare. Mein Dank geht an den Verlag für die Bereitstellung des Rezensionsexemplars.

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