Gelesen: Nie Nie Nie

Jeder Mensch stellt sich wahrscheinlich irgendwann die Frage, ob er oder sie Kinder möchte. Für Frauen ist das Zeitfenster, in dem sie biologische Kinder bekommen können, eingeschränkter als für die meisten Männer. In Nie Nie Nie erzählt Linn Stromsborg von einer namenlosen Erzählerin, die sich sicher ist, dass sie keine Kinder möchte.

Als die besten Freunde der Erzählerin, Alex und Anniken, ein Kind bekommen, beginnt ihr Lebendspartner Philip zu hinterfragen, ob er wirklich wegen ihr auf diese Erfahrung verzichten möchte. Auch wenn sie immer ehrlich zu ihm war, hegt er nun Zweifel. Es kommt zum Bruch. Die Mutter der Erzählerin strickt hingegen seit Jahren Baby-Kleidung für ihre künftigen Enkelkinder, beginnt aber langsam die Hoffnung aufzugeben.

Reflektiert, vielseitig und authentisch erzählt die Autorin davon, wie die Umwelt die Entscheidung der Protagonistin gegen eigene Kinder aufnimmt, kommentiert, und versucht sie umzustimmen. Kollegen und Bekannte versuchen sie zu beeinflussen, da sie nur ihren eigenen Lebensentwurf als Option ansehen, glücklich zu werden.

“Es heißt, in dir wird ein Raum geöffnet, von dem du nichts wusstest, ein unendlich großer Raum, etwas Ewiges in deinem sterblichen Körper, damit deine Liebe weiterlebt, wenn du tot unter der Erde liegst. Aber ich habe das Recht, diesen Raum verschlossen zu lassen und damit allem zu entgehen, was darin wartet. Dinge, vor denen es mir graut und die mir unwillkürlich in den Sinn kommen, wenn man mich fragt, ob ich Kinder will.” (S. 205)

Ich lege dieses so wichtige Buch einfach allen ans Herz, jenen die Kinder wollen oder haben und jenen, die keine Kinder wollen. Für letztere wird es ein Buch sein, das euch versteht, das mit euch fühlt. Das weiß, wie es ist, wenn man sich immer wieder erklären muss, weil man nicht ins Weltbild anderer Menschen passt. Für jene mit Kinder(-wunsch) ist das Buch aber genauso wichtig, denn es sensibilisiert für dieses Thema, hilft zu verstehen welche Fragen unangebracht sind und warum vielleicht nicht jeder ihre Träume teilt.

Das Buch ist bei Dumont erschienen und kostet als Hardcover 20 Euro. Mein Dank geht an den Dumont Verlag für die Bereitstellung des Rezensionsexemplars.

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